Zertifizierte nachhaltige Textilien
Niemand kauft gerne Kleidung, Heimtextilien, Polstermöbel oder Produkte für Babys und Kinder, die unter untragbaren Bedingungen hergestellt wurden. Doch woher weiß man, ob ein Produkt den sozialen und ökologischen Ansprüchen gerecht wird?
Bei Grüne Erde steht Transparenz, Verantwortung und ökologische Qualität an erster Stelle. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist für uns dabei ein wichtiger Wegweiser – er garantiert höchste ökologische und soziale Standards entlang der gesamten Herstellungskette. Seit 2010 sind wir GOTS-zertifiziert und lassen uns regelmäßig unabhängig prüfen, um sicherzustellen, dass unsere Textilien nicht nur schön, sondern auch fair, nachhaltig und gesund sind – für Mensch und Natur.
Was ist GOTS - ein Gütesiegel zur Orientierung
Zur Orientierung bleiben meist nur Qualitäts-, Öko- und Bio-Siegel. Das weltweit führende Regelwerk für die Produktion von Naturtextilien ist GOTS, der Global Organic Textile Standard. Dieses Gütesiegel definiert – neben dem IVN Best-Standard – das höchste Maß an ökologischen und sozialen Anforderungen, welche entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingehalten werden müssen. Dahinter steht eine internationale Arbeitsgruppe aus den angesehenen Organisationen OTA (USA), IVN (Deutschland), Soil Association (England) und JOCA (Japan).
Gemeinsam mit weiteren Experten und Vereinigungen haben sie GOTS zu einem glaubwürdigen Zertifikat gemacht – und sie entwickeln es stetig weiter. Die gesamte Herstellungskette von der Rohstoffgewinnung bis zur Kennzeichnung der fertigen Produkte wird erfasst, kontrolliert und zertifiziert – nach strengen ökologischen und sozialen Kriterien. Und das macht GOTS so gut.
Textilien werden nach vielen Kriterien bewertet: Preis, Optik, Aussehen – und sie müssen sich gut anfühlen. Aber neben den spürbaren und sichtbaren Eigenschaften gibt es genauso wichtige Dinge, die im Verborgenen bleiben. Welche Giftstoffe wurden für Anbau und Bearbeitung der Rohstoffe verwendet, oder wie werden die Tiere gehalten? Wie sind die Arbeitsbedingungen, die Bezahlung und die soziale Absicherung der Beschäftigten? Wie wird verpackt, transportiert, gelagert?
Welche Rohstoffe sind bei einer GOTS-Zertifizierung erlaubt
Zugelassen sind Naturfasern, welche aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen oder sich noch in Umstellung von konventioneller zu kontrolliert biologischer Bewirtschaftung befinden. „Organic in Conversion“ ist jedoch nur erlaubt, wenn der Standard, der die Faserproduktion zertifiziert, dem auch zustimmt. Je nach Einsatz von zertifizierten Rohstoffen werden die Textilien auch gekennzeichnet. Der "in Conversion"-Hinweis bezieht sich ausschließlich auf den Faserproduzenten. Alle anderen Betriebe in der Lieferkette des Produkts (Spinnerei, Weberei, Färberei, Näherei, Händler) sind uneingeschränkt GOTS-zertifiziert.
- GOTS "organic": Produkte mit diesem Label bestehen zu mindestens 95 % aus Naturfasern, die aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. kontrolliert biologischer Tierhaltung stammen.
- GOTS "organic – in conversion": Produkte mit diesem Label werden gerade auf den Standard mit mindestens 95 % Naturfasern, die aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. kontrolliert biologischer Tierhaltung stammen, umgestellt.
- GOTS "made with organic“: Produkte mit diesem Label enthalten, je nach Angabe in der Produktbeschreibung, mindestens 70% kontrolliert biologisch erzeugte Naturfasern.
- GOTS "made with organic – in conversion materials": Produkte mit diesem Label werden gerade auf den Standard mit, je nach Angabe in der Produktbeschreibung, mindestens 70 % biologisch erzeugten Naturfasern umgestellt.
Was sind die Voraussetzungen für eine GOTS-Zertifizierung
Um ein Produkt nach dem strengen Global Organic Textile Standard zertifizieren zu können, müssen mindestens 70 Prozent der Fasern (ausgenommen Zutaten und Accessoires) eine Bio-Zertifizierung vorweisen. Diese natürlichen Rohstoffe werden ohne Pestizide und Chemie behandelt, mit unbedenklichen Farben gefärbt und nach ökologischen und sozialen Kriterien weiterverarbeitet.
Für die Behandlung der Garne sowie Stoffe sind natürliche Substanzen – auf Basis von Stärke sowie bei Bleichmittel auf Basis von Sauerstoff – erlaubt. Bei der Färbung sind natürliche oder synthetische Farb- und Hilfsstoffe gestattet, sofern sie weder krebserregend, fruchtschädigend oder allergisierend sind. Eindeutig verboten ist der Einsatz von Chlorbleiche, Formaldehyd, toxischen Schwermetallen sowie jeglichen gentechnisch veränderten Enzymen oder Substanzen, die mithilfe der Gentechnik erzeugt wurden. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird darauf geachtet, dass die Textilien, die unter Einhaltung strenger Richtlinien entstehen, den Anforderungen in Bezug auf Humantoxikologie sowie auf Auswirkungen auf die Umwelt erfüllen.
Wie erkennt man ein GOTS-zertifiziertes Produkt?
Ein GOTS-zertifiziertes Produkt erkennen Sie an der Auszeichnung. Das Logo des Global Organic Textile Standard kann sich am eingenähten Label, am Etikett oder am Hangtag befinden. Für den Endkonsumenten ist das Emblem leicht zu identifizieren. Es bietet dem Käufer Transparenz, Sicherheit und Glaubwürdigkeit – doch auch hier ist Vorsicht geboten, da viele Nachahmungen am Markt kursieren.
Die Auszeichnung befindet sich auf einem weißen Hintergrund. Dort finden Sie einen grünen Punkt mit einer weißen, stilisierten Bluse (ohne Kragen) in der Mitte. Eingefasst wird der Kreis mit der Bezeichnung „GOTS Global Organic Textile Standard“. Auf einem GOTS-zertifizierten Produkt, welchem Sie vertrauen können, finden Sie zudem die Informationen, wer das Textil akkreditiert hat (Zertifizierer), die Lizenznummer des Herstellers und die Labelstufe.
Folgende Kriterien beinhaltet das GOTS-Zertifikat
- Fasernutzung: Nur eine minimale Fremdfaserbeimischung von synthetischen oder nicht zertifizierten Materialien ist erlaubt – maximal 5 bis 30 Prozent.
- Sozialkriterien: Die sozialen Standards der internationalen Arbeitsorganisation ILO sind einzuhalten.
- Abwasseraufbereitung: Das Abwasser der Nassveredlungsbetriebsstätten muss in einer funktionellen Abwasserkläranlage gereinigt werden, bevor es in Umwelt zurückgeführt wird.
- Nutzung von Chemikalien: Es gilt das Verbot von gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalien – wie Formaldehyde, chlorierte Benzole, genetisch veränderte Organismen, Pestizide, aromatische Lösungsmittel, Schwermetalle, per- und polyfluorierte Chemikalien, Azofarbstoffe, Pigmente oder Weichmacher.
- Lagerung und Transport: Die Lagerung und der Transport müssen so erfolgen, dass eine Kontaminierung mit unzulässigen Substanzen sowie eine Vermischung oder Vertauschung mit konventionellen Produkten verhindert wird. Eine Dokumentierung ist notwendig. Verpackungen müssen aus recyceltem Abfallmaterial hergestellt oder z. B. FSC-zertifiziert sein.
- Schadstoffprüfung: Unabhängige Laborprüfungen einzelner Produkte und regelmäßige Inspektionen von unabhängigen, speziell akkreditierten Prüfinstituten sind Vorschrift. Dadurch wir die Einhaltung der Standards von Verarbeitungsbetrieben, Herstellern und Händlern garantiert.
GOTS ist gut für ...
... den Menschen
Der Global Organic Textile Standard (GOTS) legt großen Wert auf soziale Verantwortung und faire Arbeitsbedingungen. Es gelten die sozialen Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Das bedeutet: Alle Beschäftigungsverhältnisse beruhen auf freiwilliger Basis, und die Arbeitsbedingungen müssen sicher und hygienisch gestaltet sein. Kinderarbeit, Diskriminierung und übermäßige Arbeitszeiten sind ausdrücklich verboten. Ebenso werden Gewerkschaftsfreiheit und das Recht auf gerechte Entlohnung gewährleistet. Der respektvolle und humane Umgang mit allen Beschäftigten ist dabei eine selbstverständliche Grundlage.
... die Haut
GOTS-zertifizierte Produkte sind besonders angenehm zu tragen – und das aus gutem Grund. Für die Herstellung, etwa beim Färben oder bei der Stoffproduktion, werden ausschließlich hautverträgliche und ökologisch unbedenkliche Hilfsmittel verwendet. Mindestens 70 Prozent der verwendeten Fasern stammen aus kontrolliert biologischem Anbau, je nach Label sogar mehr. Die Weiterverarbeitung erfolgt ebenfalls nur mit gesundheitlich unbedenklichen Substanzen. Darüber hinaus erfüllen die Produkte strenge technische Qualitätsanforderungen, etwa in Bezug auf Reib-, Schweiß-, Licht- und Waschechtheit. Für mögliche Rückstände gelten klare Grenzwerte, die regelmäßig überprüft werden.
... die Natur
Auch für die Natur hat der GOTS-Standard klare Vorgaben. Mindestens 95 Prozent der eingesetzten Fasern müssen kontrolliert biologisch erzeugt sein; die erlaubten fünf Prozent konventioneller Anteile sind genau im Regelwerk definiert. Eine Vermischung von kbA-Fasern mit konventionellen Fasern („Blending“) ist untersagt. Gentechnik findet keinerlei Anwendung, ebenso sind giftige Zusatzstoffe wie Schwermetalle, Formaldehyd oder Azofarbstoffe verboten. Zudem müssen alle Betriebe über ein wirksames Umweltschutzprogramm verfügen, das darauf abzielt, Abfälle und Abwässer zu vermeiden und die Umweltbelastung so gering wie möglich zu halten.
Wissenswertes zur GOTS-Zertifizierung
Die Bewertung der gesamten Liefer- und Herstellungskette, sowohl hinsichtlich ökologischer als auch sozialer Aspekte, war für Grüne Erde ausschlaggebend bei der Entscheidung für GOTS.
Von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Produkt werden Arbeits- und Umweltbedingungen erfasst und kontrolliert. Alle Verarbeitungs- und Konfektionierungsbetriebe sowie Großhändler in der Lieferkette eines zertifizierten Textilproduktes müssen ebenfalls GOTS-zertifiziert sein. Ist ein Unternehmen GOTS-zertifiziert, heißt das jedoch nicht, dass alle von diesem Unternehmen angebotenen Artikel mit einem GOTS-Label gekennzeichnet werden dürfen. Jedes einzelne Produkt wird separat überprüft.
Grüne Erde ist seit 2010 GOTS-zertifiziert und wird seitdem jährlich durch eine unabhängige, autorisierte Zertifizierungsstelle überprüft (seit 2018 Ecocert Greenlife). Umfangreiche Fragebögen zu technischen, ökologischen und sozialen Aspekten der Produktion bzw. zur Produktsicherheit müssen ausgefüllt werden, bereits bevor die Prüfer ins Haus kommen, um sich an Ort und Stelle ein Bild zu machen.
Warenbegleitzertifikate der Vorlieferanten werden vorgelegt, der Warenfluss muss lückenlos dokumentiert sein und bis zu den Ursprüngen zurückverfolgt werden können – egal, ob es sich um einen Baumwollacker in Tansania, eine Schafweide in Frankreich oder ein Flachsfeld in Flandern handelt.
Nicht alle unsere Produkte können GOTS-zertifiziert werden. Das liegt z. B. daran, dass wir Fasern von freilebenden Kamelen, Yaks, wildlebenden Seidenraupen und Alpakas verwenden, auf die eine für GOTS notwendige Voraussetzung nicht zutreffen kann – die kontrolliert biologische Tierhaltung.
Bei unseren eigentlich nach GOTS hergestellten Kuscheltieren macht in einigen Fällen eine integrierte Spieluhr oder eine Füllung aus Kirschkernen die Zertifizierung unmöglich. Natürlich möchten wir auch an der langjährigen Zusammenarbeit mit nicht oder noch nicht zertifizierten, aber regionalen Partnern festhalten, die unser absolutes Vertrauen genießen. Dennoch, der Großteil unserer Textilien – etwa 80 %, rund 1.300 Positionen – ist bereits zertifiziert!
Es steckt viel Aufwand hinter einer GOTS-Zertifizierung, aber am Ende steht ein Label, das Sicherheit und Vergleichbarkeit bietet. Für den Käufer selbst ist es unmöglich, alle diese Informationen einzuholen und zu prüfen.
Das GOTS-Label aber sagt schnell und einfach: Was man in der Hand hält, ist frei von gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen, über den ganzen Produktions- und Lieferprozess wurde auf einen rücksichtsvollen Umgang mit der Natur geachtet, und die an der Herstellung beteiligten Menschen arbeiten in sozial gerechten und geregelten Arbeitsverhältnissen.
GOTS ist ein guter Schritt für eine gerechte und ökologische Textilindustrie. Unser Anspruch ist aber, nicht bei GOTS stehen zu bleiben. Es ist – wenn auch ein wichtiger, so dennoch ein Konsens, – ein Standard, der Mindestanforderungen setzt, der motiviert, faire und ökologische Wege zu gehen.
Das Denken von Grüne Erde jedoch – die Sehnsucht nach einem ökologisch verantwortungsvollen, sozial gerechten, qualitätsbewussten und sinnlichen Leben – geht über GOTS hinaus. Stetig sind wir auf der Suche, wie wir noch nachhaltiger, noch fairer produzieren, handeln und wirtschaften können.
Bei vielen unserer Produkte ist der Anteil an Naturfasern höher als von GOTS verlangt, die Rohstoffe sind reiner, die Verarbeitung ist sauberer und sie werden oft in speziellen sozialen Projekten gefertigt. Es ist und bleibt für uns aber eine wichtige Errungenschaft, unseren Kundinnen und Kunden die klare und einfache Orientierung zu bieten: GOTS ist gut für Mensch und Natur.
GOTS-Repräsentantin Juliane Ziegler
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